HYBRID Atlas mold - finished

schön und schwer – ein 80kg und ein 100kg Stein

Atlas Steine – diese komischen Bälle, die diese großen bärtigen Männer im Fernsehen immer auf Podeste legen. Muss man sowas haben? Nein, solange man Strongman nicht als Wettkampfsport betreibt. Andererseits: Ja, denn sie machen enorm viel Spaß, sind vielseitig, unhandlich und bieten in ihrer Eigenart eine unheimliche Herausforderung. Glücklicherweise sind vor einigen Jahren verschiedene Anbieter auf den Markt getreten, die Formen für Atlas Steine zum Verkauf an Privatpersonen anbieten. Die bekannten Marken sind hierbei SLATER und HYBRID. In dieser Anleitung beschreiben wir die Schritte und Details, die ihr bei der Herstellung eurer Atlas Steine mit der HYBRID Form beachten müsst.

Übersicht

Zuerst bekommt ihr eine Materialliste zur Übersicht darüber, was ihr zur Herstellung eines Atlas Steins benötigt. Danach folgen die einzeln unterteilten Arbeitsschritte. Viel Spaß beim lesen und bei der Herstellung!

Materialliste:

Verbrauchsmaterial Form
Beton HYBRID Atlas Stone Mold
(evtl. AR-Glasfasern zur Bewehrung) Abstellmöglichkeit: ( 20L Eimer / Sandhaufen )
Anrühren 12 Kabelbinder oder
Bottich zum anrühren 12x M6x30mm + 24x Unterlegscheibe 15mm+
Große Schaufel Schalungsöl / Silikonspray / Sprühfett
Kleine Schaufel Verdichten
Litermaß Gummihammer
(Bohrmaschine /Quirl f. Bohrmaschine) Ggf. Hammer (500g) und Latte
(Verlängerungskabel) Ggf. (Betonrüttler / Poliergerät)
Boden Ggf. (Stab mit Stein)
Gewebe-Plane(ca.2x3m)
Bodenplatte (ca.1,5×1,5m)  

Material organisieren

Abhängig von der Größe der Steine und davon, wie ihr mit euren Atlas-Steinen umspringen wollt, solltet ihr AR-Glasfasern als Verstärkung untermischen. Sind die Böden, auf die ihr abwerft eher hart (nur eine Matte über Betonboden), bietet sich eine Glasfaserverstärkung an. Auch bei großen Steinen ist eine Glasfaserverstärkung sinnvoll, da die Herstellung großer Steine mit mehr Zeit, Kosten und Aufwand verbunden ist, als die kleiner Steine. Zieht für besonders große Steine auch die Verwendung von Beton mit hoher Dichte in Betracht. Dieser ist jedoch wesentlich teurer als normaler Beton (Faktor 10).

Hierzu ein kleiner Einblick aus der Fachwelt:

Für die Anwendung in Beton benötigt ihr alkaliresistente (AR) Glasfasern in 12-18mm Länge. C- und E-Fasern reagieren beim Abbinden mit dem Zement und haben anschließend keine Wirkung mehr. Leider sind AR-Fasern erheblich teurer, was ihr in der Planung berücksichtigen solltet!

(Quelle: http://cms.nodal.de/sites/1001/pdf/15.pdf)

Beton mit einem Glasfaseranteil von 0,4% heißt Glasfaserverstärkter-Beton.

Eine Mischung mit Glasfaseranteilen von 2,5% - 5% nennt man Glasfaserbeton.

Glasfaserverstärkter Beton (0,4% GF) hat den Vorteil, dass die Wahrscheinlichkeit von Frühschwindtrissen in der Abbindephase erheblich gesenkt wird. Ein solides Verdichten bietet zusammen mit den Glasfasern somit eine gute Basis für die Festigkeit eurer Betonscheiben. 

Glasfaserbeton (2,5-5% GF) bietet eine erhöhte Stabilität des rissfreien Materials. Es nimmt die Vibrationen also besser auf und verteilt sie auf die gesamte Scheibe. Mit GF-Beton könnt ihr sehr dünne Platten herstellen (2cm), die trotzdem stabil sind. 
HYBRID MOULD für Atlas Stein - Material bereitgestellt

Alles steht bereit

Nun zur Organisation des Materials. Schaut, was ihr zuhause habt und was ihr noch benötigt. So vermeidet ihr unnötige Fahrerei und Wartezeiten und könnt schnellstmöglich starten. Sucht euch einen Ort, der vor Regen und direkter Sonneneinstrahlung (eher im Sommer wichtig) geschützt ist. Ihr solltet dort ausreichend Platz zur Verarbeitung des Materials haben. Schaut, dass wirklich alles vor Ort bereit steht und ihr die Verarbeitung nicht unterbrechen müsst.

 

Material Vorbereiten

Bereitet zuerst den Boden vor. Hierzu breitet ihr die Plane an der Stelle aus, an der ihr den Beton anrühren und umfüllen wollt. Das Stromkabel für die Bohrmaschine mit Quirl zum anrühren sollte bis dorthin reichen. Die Halterung für die Form (Blumenkübel / Eimer o.Ä.) stellt ihr auf eure Bodenplatte. Die Plane sollte bündig mit der Platte abschließen, damit beim umfüllen und verschieben nichts auf den Boden kleckern kann.

Die HYBRID Atlas-Stein Form reinigt ihr zuerst mit einem Lappen. Anschließend fettet ihr die Form von innen ein. Hierzu sprüht ihr Fett / Silikonspray oder Schalungsöl in die Form hinein und verreibt es mit einem Lappen. Danach verschließt ihr die Form. Hier habt ihr zwei Optionen:

  1. Kabelbinder
  2. M6 Schrauben mit Unterlegscheiben

Die Kabelbinder sind die günstige Variante, dichten jedoch nicht so gut ab wie die Kombination mit Schraube-Mutter-Unterlegscheibe. Bei letzterer müsst ihr am Ende etwas weniger nacharbeiten. Die HYBRID Atlas Stone molds sind dafür bekannt, dass diese mit Kabelbindern verschlossen stark tropfen. Zieht beide Varianten richtig gut fest, damit die Form bestmöglich verschlossen ist. Denkt aber daran, dass ihr die Form durch zu festes anziehen der Schrauben beschädigen könnt! Die vorbereitete Form stellt ihr auf die Halterung auf der Bodenplatte. Danach könnt ihr damit beginnen, das Material zu verarbeiten.

Material verarbeiten

Die Verarbeitung teilen wir in folgende drei Unterschritte:

Anrühren, Umfüllen, Verdichten.

Anrühren

Stellt alle Bottiche dort hin, wo ihr sie braucht. Die Form steht auf der Halterung und das Gefäß zum anrühren auf der Plane.

Gebt nun die Trockenanteile (Betonmischung und ggf. AR-Fasern) in den Anrührbehälter. Rührt sicherheitshalber immer etwas mehr Beton an, als in den Stein kommt. Somit geht ihr sicher, dass die Form auch wirklich voll wird (80kg statt 79,2kg/175lbs). Gebt die erforderliche Menge Wasser hinzu. Die notwendigen Informationen findet ihr gedruckt auf den Betonsäcken. Meistens liegt der Wasseranteil im Bereich von 10%. Haltet euch auf jeden Fall am oberen Bereich des Wasseranteils oder leicht darüber! So lässt sich der Beton besser verdichten und wird nicht spröde. Nach der chemischen Reaktion, also während der Trockenphase, verschwindet das überschüssige Wasser. Abhängig vom gekauften Beton-Produkt, variiert der zurückbleibende Anteil. Eine pauschale und gleichzeitig präzise Aussage über das spätere Gewicht eures Atlas Steins zu treffen ist daher leider nicht möglich. Die Angaben auf den Formen passen generell jedoch sehr gut, solange ihr eure Mischung nicht viel zu nass macht (z.B. +50-100% Wasser)! Sollte das Gewicht hier anders ausfallen als erwartet, könnt ihr in einem neuen Stein verschiedene Tricks anwenden, um diesen schwerer oder leichter zu machen.

Rührt die Mischung nun sorgfältig durch. Achtet darauf, dass weder trockene Anteile, noch Teile mit verhältnismäßig hohem Wasseranteil bleiben. Bei der Verwendung von AR-Glasfasern, muss auch hier eine gleichmäßige Verteilung gewährleistet werden.

Umfüllen

HYBRID MOULD für Atlas Stein gefüllt

Gefüllte Form zum aushärten abgestellt

Die gut vermengte Mischung füllt ihr nun in die zuvor vorbereitete Form um. Nutzt hierzu eine kleine Schaufel oder ein weiteres Gefäß. Kippt nicht einfach die Masse in eins in die Form, da es sonst schwierig wird die Luftbläschen herauszubekommen. Nach ein paar Schaufeln rütelt ihr die Form für 30-60s durch, bis sich der Beton gesetzt hat. Dies wiederholt ihr, bis die Form komplett gefüllt ist. Es darf anfang ruhig ein kleiner Huckel aus der Öffnung hervorstehen. Der Beton wird in der nächsten Stunde noch absacken und sich verteilen.

Verdichten

Ist das Material umgefüllt, könnt ihr damit beginnen, den Beton zu verdichten. Ziel ist es, Luftbläschen aus dem Beton zu bekommen. Diese sehen im Endprodukt nicht schön aus und machen den Beton anfälliger für Risse. Zu Beginn lässt sich die Form noch sehr gut von Hand rütteln. Danach nehmt ihr am Besten  einen Gummihammer, klopft die Form für einige Minuten ab und füllt bei Bedarf neue Material oben auf der Öffnung auf. Als Alternative legt ihr eine Holzlatte an unterschiedlichen Positionen über den Bottich und klopft für ein paar Minuten mit einem normalen Hammer darauf. Das macht ihr so lange, bis ihr denkt, dass keine Luftblasen mehr in der Masse vorhanden sind. Habt ihr einen Betonrüttler, hängt ihr diesen für eine entsprechende Zeit hinein. Habt ihr ein Poliergerät, vibriert damit einige Zeit auf der Form herum, bis keine Blasen mehr emporsteigen. Legt anschließend einen feuchten Lappen über die Öffnung, damit der Beton nicht zu schnell trocknet und spröde wird. Nun geht es in die Trocknungsphase. Gebt eurem Stein mindestens 24h Zeit zum abbinden, bevor ihr weitermacht.

Material kontrollieren

Kontrolliert regelmäßig, ob noch alles wie geplant verläuft (keine Rohrbrüche oder enorme Hitzestrahlungen in der Nähe des trocknenden Materials). Habt ihr die Verschlussvariante mit Sechskantschrauben gewählt, könnt ihr nach zwei Tagen beginnen, diese Stück für Stück zu lösen. So kommt mehr Luft seitlich an den Stein und er kann besser durchtrocknen.

 

Atlas Stein auslösen

Gebt dem Stein 2-5 Tage Zeit zum abbinden, bevor ihr ihn auslöst. Die Steine trocknen im Vergleich wesentlich langsamer durch als die Hantelscheiben aus Beton. Letztere geben der Luft eine viel größere Oberfläche zum trocknen im Vergleich zu der kleinen Öffnung der Steinform. Schneidet jetzt die Kabelbinder auf oder löst eure Schrauben und tütet sie wieder ein. Anschließend klopft ihr mit einer Holzlatte an möglichst jede Position der oberen Hälfte. Arbeitet besonders am Rand bei der Kante sehr gründlich, damit ihr diese problemlos losbekommt. Ist die obere Hälfte gelöst, nehmt ihr sie ab. Jett müsst ihr den Stein drehen. ACHTUNG! Hierbei könnt ihr die Kante beschädigen. Um dies zu vermeiden, legt ihr den Stein auf den Boden. In Kipp-/Rollrichtung legt ihr eure beiden Holzlatten bereit. Beim Rollen positioniert ihr die Latten so, dass die Kante zwischen die beiden Latten kommt und somit keinem Druck und potenziellem Schaden ausgesetzt ist. Alternativ könnt ihr den Stein auch auf einen Sandsack/Sandhaufen kippen und dort drehen. Die Prozedur des Klopfens und Auslösens könnt ihr nun mit der anderen Hälfte der HYBRID-mold wiederholen. Ist der Stein gelöst, reinigt ihr schnell die Form.

Feinschliff

Die Hybrid Mold bietet drei potenzielle Punkte für die Nachbearbeitung:

  1. Luftbläschen an der Außenfläche bieten kein schönes Bild
  2. An der Verbindungsstelle der Formhälften entsteht eine Kante
  3. An der oberen Formöffnung entsteht eine Kante/Huckel

Punkte 2 und 3 sind spezifisch für die HYBRID Atlas Form. Um diese solltet ihr euch zuerst kümmern. Sehr grobe Huckel und Kanten klopft ihr mit einem kleinen Hammer ab. Schleift danach alle scharfen Kanten mit einer Feile, Schmirgelpapier oder einem Stahlschwamm ab. Denkt dabei daran, dass ihr später mit sehr viel Haut auf dem Stein sein werdet und euch sicherlich nicht unnötig verletzen möchtet. Ist alles glatt, könnt ihr euch den Luftlöchern widmen. Punkt 1 lässt sich mit einer sehr sämigen Mischung aus Zement beseitigen. Hierzu reibt ihr den Stein an den notwendigen Stellen mit der Mischung ein und reibt diese in die Löcher hinein, bis keines mehr zu sehen ist. Mit einem feuchten Handtuch reibt ihr anschließend den Stein wieder „sauber“, sodass sich der Zement nurnoch an den Stellen befindet, die ihr auffüllen möchtet. Lasst den Stein nun noch ein paar Tage zum trocknen stehen, bevor ihr ihn benutzt.

Und jetzt?

Wenn ihr eurem Stein genügend Zeit zum durchtrocknen gegeben habt, könnt ihr loslegen. Tragt ihn, ladet ihn auf Plattformen, schultert ihn und nutzt ihn zwischendurch als starkes und dekoratives Element im Blumenbeet. Für diejenigen, die sich Zwischengrößen wünschen, schreiben wir demnächst eine Anleitung dazu, wie ihr eure Steine schwerer oder leichter bekommt als mit der regulären Betonfüllung. Wie ihr farbige Atlas Steine herstellen könnt, findet ihr in dieser Anleitung. Schreibt gerne hier in die Kommentare oder sagt bei Facebook bescheid, die Herstellung des Stein mit der HYBRID Mold bei euch geklappt hat. Wir wünschen auf jeden Fall viel Spaß mit eurem neuen Atlas Stein!